Südwestpresse
Hohenzollerische Zeitung
"Höchste Qualität ist unser Credo"

Betriebsbesichtigung bei der Firma Stingel Fruchtsäfte für die HZ-Leser und Teilnehmer
der Aktion "Hohenzollern - da läuft was". Foto: Eberhard Wais
Hechingen/Weilstetten. Mit einer althergebrachten Mosterei hat die Saftherstellung bei Stingel Fruchtsäfte so wenig zu tun wie mit einem Großunternehmen, das Säfte aus eingekauften Fruchtsaftkonzentraten herstellt.
Die Weilstetter Firma Stingel Fruchtsäfte ist hochmodern und bodenständig zugleich.
Die Teilnehmer unserer Aktion "Hohenzollern - da läuft was" tun regelmäßig etwas für ihre Gesundheit indem sie sich bewegen. Dazu gehört aber auch die richtige Ernährung, beispielsweise mit Fruchtsäften, ideale Energiespender und Durstlöscher zur ausgewogenen Lebens- und Ernährungsweise. Hier ist unser Aktionspartner die Firma "Stingel Fruchtsäfte" in Weilstetten, die jüngst von HZ-Läufern und -walkern besucht wurde.
Aus der 1949 von Richard Stingel gegründeten Lohnosterei in Weil-stetten ist heute ein hochmodernes, mittelständisches Unternehmen geworden, das aber die "Bodenhaftung" nie verloren hat. Karl Stingel, der seit 1989 den Betrieb leitet, führte die Hechinger durch die rund 4000 qm große Produktionshalle mit modernsten Press- und Abfüllanlagen.
47 verschiedene Fruchtsäfte, Nektare und Schorlen werden dort derzeit hergestellt. "Es ist wichtig, immer wieder etwas Neues auf den Markt zu bringen", betont Karl Stingel, der Geschmack der Kunden wandelt sich. So war vor Jahren ein Sanddorndrink hoch im Kurs, heute wird er nicht mehr nachgefragt. Dafür gibt es heute Maracuja- und Mangosäfte in verschiedener Mischung, Kürbis-Melone oder auch Banane. Groß im Trend sind Mehrfrucht und Vitamindrinks (beispielsweise ACE-Drinks), Cocktail Basics (oft zum Mischen in Cocktails) oder energy-Drinks (wie Apfel energy).
Schwerpunkt der Produktion bleibt dennoch die traditionelle Fruchtsaftherstellung, wobei heute der 100prozentige Direktsaft überwiegt, ob dies aus den Äpfeln unserer heimischen Streuobstwiesen ist, aus reifen Mittelmeerorangen oder italienischer Traubensaft. Beeindruckend, mit welchem technischen Aufwand heute beispielsweise die Apfelsäfte hergestellt werden. Von der mühsamen Handarbeit der 1950er Jahre ist rein nichts mehr geblieben, alles verläuft vollautomatisch, mit höchstem Hygienestandard und doch so natürlich wie möglich. Flaschen reinigen, abfüllen, mit Gummikappen verschließen und Etiketten aufkleben, das war einmal, heute besorgt das eine vollautomatische Presse und Abfüllanlage. Wurden einst 1000 bis 2000 Flaschen am Tag abgefüllt, sind es heute bis zu 11000 Flaschen pro Stunde, "wobei wir die Höchstleistung nie ausreizen", betont Stingel. Immerhin: Das Obst kommt heute noch ausschließlich von den heimischen Streuobstwiesen der Region, Zukäufe von Tafelobst, etwa aus der Bodenseeregion, lehnt Karl Stingel ab. Das ist für ihn auch eine Geschmacksfrage. Es gibt acht Obstannahmestellen im Umkreis von 50 Kilometern: "Die kurzen Wege sind klima- und umwelttechnisch ideal und sichern eine hohe Qualität der Produkte." Nicht zuletzt werde damit auch der Erhalt der bedrohten Streuobstwiesen gesichert.
Nach der Anlieferung in den großen "Obst-Bunkern" werden diese mittels Wasserkraft weitertransportiert und grob zerkleinert, dann kommen sie in die moderne Bandpresse, die erst 2005 installiert wurde und bis zu 20 Tonnen pro Stunde verarbeitet. Der Apfelsaft wird entweder als Direktsaft abgefüllt oder in der eigenen Anlage zu Konzentrat weiterverarbeitet und anschließend im Tanklager, mit einem Fassungsvermögen von etwa 2,5 Millionen Litern zwischengelagert. 40 riesige Edelstahlsilos bewahren dort den wertvolle Saft unter Luftausschluss bis zur weiteren Verarbeitung auf. Das sieht schon sehr beeindruckend aus, ist dennoch nur eine kleine Lagerhalle im Vergleich zu den ganz großen Saftherstellern. Dafür ist hier aber nur beste einheimische Qualität drin. Die Kapazität des Saftlagers reicht aus, um auch mal ein ganz schlechtes Obstjahr zu überstehen, ohne dass die Saftproduktion einbrechen würde.
Natürlich muss bei einem so großen Produktionsvolumen auch die Abfüllanlage vollautomatisch laufen. Sie wurde vor acht Jahren völlig neu aufgebaut und mit Auspacker, Einpacker und Palettisierer erweitert. Verwendet werden aber weiterhin ausschließlich Glasflaschen. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Qualitätsgründen. In PET-Falschen beispielsweise können die Fruchtsäfte ihre Qualität nicht halten. Karl Stingel: "Nur die Glasflasche garantiert den reinen, unverfälschten Geschmack von Fruchtsaft".
Die Vermarktung erfolgt zum Teil im Lebensmittelhandel, zum Teil auch im Direktverkauf im eigenen Saft-Outlet, überwiegend jedoch im Getränkefachhandel. Heute gilt die Weilstetter Stingel Fruchtsäfte-GmbH, die ein Familienbetrieb geblieben ist, als einer der modernsten Fruchtsaftbetriebe in Süddeutschland und beschäftigt zehn Mitarbeitern. "Wir setzen alles dran, auch in Zukunft nur höchste Qualität zu bieten", betont Karl Stingel.
Direktsaft (auch Muttersaft) ist Fruchtsaft, überwiegend Apfel- oder Orangensaft, der nach dem Pressen und Keltern filtriert und im Idealfall sofort abgefüllt wird. Sollte das Abfüllen nicht gleich möglich sein, wird der Saft in großen Tanks steril gelagert, später erhitzt und abgefüllt. Eine Verarbeitung zu Konzentrat und eine spätere Rückverdünnung entfällt bei Direktsäften.
Als Konzentrat wird ihm zur Einlagerung Flüssigkeit entzogen, dadurch verringert sich das Volumen auf etwa 1/6, entsprechend auch die Lagerkapazitäten. Bei der Abfüllung wird aufbereitetes Trinkwasser wieder zugesetzt. Die zuvor entzogenen Zusatzstoffe wie Aromen und Vitamine werden wieder hinzugefügt.
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